Wechseljahre im Fokus




Was sind eigentlich die Wechseljahre?
Die Wechseljahre, auch Perimenopause genannt, bezeichnet den Zeitraum von circa 2-7 Jahren vor und nach der Menopause (letzte Blutung im Leben einer Frau, die mindestens ein Jahr zurückliegt), etwa zwischen dem 45. und 58. Lebensjahr. Das Alter kann jedoch stark variieren. Bei vielen Frauen beginnen bereits ab dem 40.Lebensjahr Hormonschwankungen, die jede Frau unterschiedlich bemerkt und schon erhebliche physische sowie psychische Beschwerden verursachen können.
Fakten:
- 16-20 % der Frauen erkranken erstmals an einer Depression in den Wechseljahren
- Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, steigt um das 14-fache
- Bei 60 % kommt es zu einer Verschlimmerung der Depressions- und Angstsymptome.
- Das Selbstmordrisiko bei Frauen steigt zwischen dem 45. und 64. Lebensjahr
Wechseljahresbeschwerden und hormonelle Veränderungen
Einleitung der Wechseljahre
Bereits in den Wechseljahren haben viele Frauen Beschwerden, obwohl Estradiol noch produziert wird und die Menstruation weiterhin, wenn auch zunehmend unregelmäßig, stattfindet.
Hormonelle Schwankungen
Die starken Schwankungen sowohl des Estradiol- als auch des Progesteronspiegels, bedingt durch die nachlassende Aktivität der Eierstöcke, werden als Auslöser dieser Beschwerden vermutet.
Die Eierstöcke schütten immer weniger Estrogene und Progesteron aus.
Symptome vor der Menopause
In der Phase vor der Menopause (letzte Regelblutung im Leben einer Frau, die mindestens 12 Monate zurückliegt) treten viele der typischen Symptome der Wechseljahre auf, während die Menstruation noch regelmäßig oder unregelmäßig ist und die Fruchtbarkeit allmählich abnimmt. Dies sind die eigentlichen Wechseljahre.
Die Symptome können während dieser Zeit besonders ausgeprägt sein, da die Hormone stark schwanken.
Progesteron und Eisprung
Progesteron wird nur gebildet, wenn es zum Eisprung kam und das gesprungene Ei zum Corpus luteum zerfällt, welches Progesteron produziert.
Die Tatsache, dass noch ein regelmäßiger Zyklus besteht, sagt keinesfalls aus, dass Progesteron zwingend gebildet wird.
Abnahme der Eizellqualität
In den Wechseljahren nimmt die Qualität der Eizellen und damit auch die Frequenz und Qualität der Eisprünge ab, was zu einem Mangel an Progesteron führen kann.
Funktion von Progesteron
- Progesteron ist der Gegenspieler des Estrogens
- Es wird nach dem Eisprung ausgeschüttet und sorgt dafür, dass die Schleimhaut, die durch das Estrogen aufgebaut wurde, wieder abgebaut wird, wenn keine Befruchtung stattgefunden hat.
- Als eines der wenigen Hormone kann es die Bluthirnschranke überwinden und im Gehirn seine Wirkung entfalten.
- Es hat Einfluss auf Angst, Unruhe, Schlaf, Stimmung, Schmerz und Libido.
Abnahme von Progesteron vor den Wechseljahren
- Schon weit vor den Wechseljahren, meistens über 3-5 Jahre hinweg, fällt das Progesteron ab.
- Dabei bleibt das Estradiol unverändert.
- Durch Frequenzabnahme der Eisprünge resultiert ein Mangel an Progesteron, was zu einer relativen Östrogendominanz führt.
Hormonelle Veränderungen und ihre Folgen
Reaktion des Gehirns auf Hormonschwankungen
Eine erhöhte Ausschüttung der Hormone FSH und LH erfolgt, um die Eierstöcke zur Hormonproduktion anzuregen. Dies kann zu sehr hohen Estradiolspiegeln führen, da das Progesteron zu dieser Zeit besonders niedrig ist.
Die erhöhten Estradiolspiegel können Beschwerden wie Brustspannen und -schmerzen verursachen. Wenn die erhöhten Estradiolspiegel mit dem Einsetzen der Menstruation wieder abfallen, kommt es häufig zu Hitzewallungen und Schweißausbrüchen.
Häufige Symptome in den Wechseljahren
- Unregelmäßige Perioden: Die Menstruation kann unregelmäßig werden, mit kürzeren oder längeren Zyklen sowie stärkeren oder schwächeren Blutungen.
- Hitzewallungen und Nachtschweiß: Diese können besonders intensiv sein und die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
- Ein- und Durchschlafstörungen: 75% der Frauen beklagen Schlafstörungen, die durch Veränderung der Schlaftiefe und -dauer sowie später durch nächtliches Schwitzen bedingt sind. Sinkendes Progesteron führt zu oberflächlich verkürztem Schlaf, auch der Melatoninspiegel sinkt in der Perimenopause.
- Emotionale und psychische Symptome: Reizbarkeit, Angstzustände, innere Unruhe, Konzentrationsstörungen („Brain Fog“), depressive Verstimmungen und emotionale Labilität sind typische Begleiter.
- Trockene Schleimhäute: Dies kann zu Beschwerden beim Geschlechtsverkehr führen.
- Veränderungen im Stoffwechsel können dazu führen, dass Frauen leichter an Gewicht zunehmen.
- Gelenk- und Muskelschmerzen
Verlauf der Wechseljahre
Im Verlauf der Wechseljahre sinkt die Estradiolproduktion allmählich, bis sie schließlich mit der letzten Regelblutung (Menopause) vollständig zum Erliegen kommt. Dieser Prozess erstreckt sich über mehrere Jahre. Der Mangel an Estradiol ist ein wesentlicher Faktor für die Beschwerden, die viele Frauen nach der Menopause (in der Postmenopause) erleben.
Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem
Durch die Hormonschwankungen gerät unter anderem das vegetative Nervensystem aus dem Gleichgewicht. Es steuert die unbewusst ablaufenden Körperfunktionen, zum Beispiel den Herzschlag, die Atmung und den Stoffwechsel. Dieses Ungleichgewicht kann zu häufigen und belastenden Symptomen der Wechseljahre führen.
Hormondiagnostik- empfohlene Tage der Blutentnahme:
3.-5. Zyklustag: LH, FSH, Östradiol, Testosteron.
19.-23. Zyklustag: Progesteron.
Das Anlegen eines Zykluskalenders und eines Symptomtagebuches ist sehr hilfreich für Ihre Behandlung.
Nach dem Ausbleiben der Regelblutung muss der Zeitpunkt der Blutentnahme nicht mehr beachtet werden.
Laborwerte sind nur Momentaufnahmen und sollten immer mit den individuellen Beschwerden der Frau als Gesamtbild gesehen werden.
„Mensch schlägt Maschine“: das bedeutet, dass die Symptome, die die Frau angibt, grundsätzlich über einem noch „unauffälligen“ Laborbefund stehen sollten.
Nach der Menopause kommt die Postmenopause
Diesen Zeitraum bezeichnet man als Postmenopause. Hier können einige Symptome der Wechseljahre nachlassen oder verschwinden. Dies geschieht vermutlich durch jahrelange Anpassung des Körpers an die Hormonmangelsituation.
Dennoch können weiterhin Symptome wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und vaginale Trockenheit bestehen bleiben. Der Hauptunterschied liegt darin, dass die Hormonspiegel nach der Menopause im Allgemeinen stabil bleiben und sich nicht mehr so stark verändern, wie während der Wechseljahre.
WECHSELJAHRE IN DEUTSCHLAND
Im Jahr 2024 befinden sich schätzungsweise über neun Millionen Frauen in Deutschland in den Wechseljahren.
Beschwerdeverteilung als Faustregel:
- Ein Drittel der Frauen hat kaum Beschwerden
- Ein Drittel der Frauen hat deutliche Beschwerden
- Ein Drittel der Frauen hat sehr starke Beschwerden
Auswirkungen
- Die massiven Symptome können die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit erheblich einschränken. Manche Frauen müssen deshalb in den vorzeitigen Ruhestand gehen, was zu folgenden zusätzlichen psychischen Beschwerden führen kann:
- Insuffizienzgefühlen (Gefühl der Unzulänglichkeit, des Nichtgenügens oder des Scheiterns )
- Eigene Schuldzuweisungen
- Depressive Stimmungslage
- Im Verlauf können sich manifeste psychische Störungen wie beispielsweise schwere depressive Episoden, Angststörungen und Suchterkrankungen entwickeln, die einer dringenden psychiatrischen Behandlung bedürfen.
- Bei ausgeprägten Wechseljahrsbeschwerden, die erheblich die Lebensqualität beeinflussen, sollte meiner Meinung nach immer noch zusätzlich ein Screening auf AD(H)S erfolgen, da die Symptomatik durch den Rückgang von Estradiol die AD(H)S-Symptomatik deutlich verschlechtern kann und Frauen mit AD(H)S meistens sehr viel empfindlicher auf Hormonschwankungen reagieren können als Frauen ohne AD(H)S (Parallelen von PMS/PMDS).
- Ausführliche Informationen zu dem Thema AD(H)S und Wechseljahre finden Sie auf meiner Website zum Thema AD(H)S bei Frauen.
- Ganzheitliche Betreuung und Behandlung in den Wechseljahren
- In den Wechseljahren ist eine Zusammenarbeit zwischen Psychiaterinnen und Gynäkolog:innen besonders wichtig. Ein integrativer Ansatz ist entscheidend, um die Gesundheit und Lebensqualität von Frauen in dieser Phase optimal zu unterstützen.
- Ganzheitliches Gesundheitskonzept: Die Wechseljahre betreffen den gesamten Körper und die Psyche. Eine umfassende Betreuung berücksichtigt Laborparameter, Symptome der Frau, Ernährung, Sport, gegebenenfalls Behandlung mit naturidentischen Hormonen sowie eine zusätzliche Unterstützung mit Nahrungsergänzungsmitteln bei erhöhtem Nährstoffbedarf oder Nä
- Bedürfnisse: Jede Frau erlebt die Wechseljahre unterschiedlich. Eine maßgeschneiderte Therapie, die die individuellen Bedürfnisse und Beschwerden berücksichtigt, ist unerlä
- Prävention und Behandlung von Folgeerkrankungen: In den Wechseljahren können sich im Verlauf manifeste psychische Störungen wie beispielsweise Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen entwickeln, die einer dringenden psychiatrischen Abklärung und Behandlung bedürfen, um schwerwiegende gesundheitliche Folgen zu vermeiden. Hierbei erfolgt der Einsatz von wissenschaftlich fundierten Tests und Fragebögen
- Umfassende Anamnese: es sollte eine detaillierte Erhebung der medizinischen und psychologischen Vorgeschichte erfolgen, um das gesamte Ausmaß ihrer Symptome verstehen zu kö
- Laborparameter: Regelmäßige Blutuntersuchungen helfen, hormonelle Veränderungen zu überwachen und die Behandlung entsprechend anzupassen.
- Symptommanagement: Eine genaue Erfassung und Dokumentation der Symptome durch Sie als Patientin und mich als Ärztin unterstützt die effektive Anpassung der Therapie.
- Ernährung und Sport: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität sind essenziell für das Wohlbefinden und die Gesundheit in den Wechseljahren. Meditation, Yoga und Meditation haben sich als effektives Stressmanagement erwiesen.
- Nahrungsergänzungsmittel: Ergänzende Nährstoffe können helfen, spezifische Mangelzustände zu verhindern oder zu behandeln.
- Naturidentische Hormone: Die Verwendung naturidentischer Hormone kann helfen, hormonelle Defizite auszugleichen und Symptome zu lindern. Eine umfassenden Aufklärung ist hier besonders wichtig, um Frauen die „Angst“ vor naturidentischen Hormonen zu nehmen in Form einer sorgfältigen Beurteilung der potenziellen Vorteile und Risiken der Hormontherapie, individuell angepasst an die Bedürfnisse der Patientin.
Ihre Gesundheit und Lebensqualität stehen im Mittelpunkt
Es ist von ganz entscheidender Bedeutung, dass Frauen in dieser Phase ihres Lebens eine angemessene Unterstützung und Behandlung durch integrative und interdisziplinäre Betreuung erhalten, um ihre Gesundheit und Lebensqualität zu erhalten, die Ihnen absolut zusteht.
Keine Frau sollte sich länger von anderen anhören müssen: „Wechseljahre hat doch jeder, da ist ist doch keine Krankheit. Jetzt stell Dich doch mal nicht so an“. Leider sind solche Aussagen keine Seltenheit und bei Betroffenen kann dies zusätzlich dazu beitragen, dass Sie in eine Spirale aus negativen Gedanken und körperlichen Symptomen geraten, aus der Sie ohne Hilfestellung nicht rausfinden.
Es ist mir ein großes Anliegen, Ihnen dabei behilflich zu sein, diese Spirale zu durchbrechen. Aus eigenen Erfahrungswerten weiß ich mittlerweile, dass dies gelingen kann.