AD(H)S und Hormone im Fokus




AD(H)S und der Einfluss von Hormonen
Einleitung
Mit dem Eintritt in die Pubertät, bzw. bereits mit den hormonellen Vorbereitungen darauf, wird die Diagnose von AD(H)S bei Mädchen schwieriger. Geschlechtsspezifische hormonelle Schwankungen beeinflussen die Intensität der Symptome von AD(H)S.
Einfluss der weiblichen Sexualhormone
Die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron stehen in Wechselwirkung mit den Neurotransmittern Dopamin und Serotonin. Hormonelle Schwankungen treten in der Pubertät, der Schwangerschaft, nach der Geburt, bei PMS/PMDS und in den Wechseljahren auf. Nähere Information zu PMS/PMDS, Wechseljahren finden Sie auf meiner Website unter „Hormone“
Positiver Einfluss: Ein hoher Östrogenspiegel hat einen positiven Einfluss auf die AD(H)S-Symptomatik, da Östrogen die Konzentration von Dopamin an der neuronalen Synapse erhöht.
Negativer Einfluss: Schwankungen der Progesteron-Metabolite (Verbindungen, die durch den Abbau von Progesteron entstehen), können einen eher negativen Effekt haben.
Besondere Schwierigkeiten für Frauen mit AD(H)S
Hormonschwankungen können bei Frauen mit AD(H)S besondere Schwierigkeiten bereiten. Die Schwere der AD(H)S-Symptomatik ist abhängig von Östrogen und Progesteron.
Bei Frauen mit AD(H)S geht man von einer 80-92%-igen Wahrscheinlichkeit aus, dass PMS- oder PMDS-Symptome auftreten. Dies zeigt wiederum die enorme Empfindlichkeit auf Hormonschwankungen bei Frauen mit AD(H)S auf.
Psychische Belastungen und Krisen
Die Unkenntnis über eine AD(H)S-Diagnose kann Frauen in diesen besonderen Lebensphasen in eine schwere seelische Krise stürzen. Ihnen fehlt der Hintergrund für ihre tiefgreifenden psychischen Probleme. Leider gibt es viele Betroffene, deren komorbide Störungen, also Begleiterkrankungen von AD(H)S, wie Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen, Essstörungen und Persönlichkeitsstörungen über Jahre hinweg behandelt wurden. Oftmals erfolgten mehrere ambulante Psychotherapien, auch stationäre Aufenthalte und medikamentöse Behandlungen relativ erfolglos, sodass es immer wieder zu Rückfällen kam. Zusammenfassend kann man sagen, dass lediglich die Spitze des Eisberges behandelt wurde, aber das zugrundeliegende Fundament AD(H)S unerkannt blieb. Dies ist für Betroffene besonders frustrierend und schmerzhaft, da hierbei der Leidensdruck oftmals sehr hoch war und ist.
Multimodaler Behandlungsansatz
Mädchen und Frauen mit einer bekannten AD(H)S-Diagnose, die ein AD(H)S-spezifisches Medikament einnehmen, erleben in Abhängigkeit von ihren hormonellen Schwankungen, dass das Medikament in der vertrauten Dosierung mal mehr, mal weniger, mitunter vielleicht gar nicht mehr wirkt. Bei bekannten AD(H)S-Diagnosen sollten hormonelle Schwankungen berücksichtigt werden, um die Behandlung anzupassen und erforderliche Hilfestellungen zu leisten.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Expertenmeinungen
Barkley, der führende US-amerikanische AD(H)S-Forscher, berichtet: “Es werden von Ärzten Fälle beschrieben, in denen ein Anstieg der Überweisungen von Frauen in Kliniken beobachtet wird, der mit den Wechseljahren zusammenfällt. Frauen, die zuvor mit AD(H)S-spezifischen Symptomen in ihrem Leben relativ gut zurechtkamen oder nicht in den klinisch auffälligen Bereich fielen, fanden sich jetzt, mit Eintritt in die Wechseljahre, als vollwertige, klinische AD(H)S-Patientinnen wieder.”
Empfehlungen der multimodalen Behandlung
Östrogen spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der strukturellen Integrität des weiblichen Gehirns. Eine multimodale Behandlung, die hormonelle Auswirkungen berücksichtigt, kann die Stimmungslage und das Gedächtnis verbessern. Experten empfehlen einen multimodalen Behandlungsansatz, der sowohl die psychischen als auch die hormonellen Aspekte berücksichtigt. Dies kann die Anpassung von Medikamentendosierungen (AD(H)S-spezifische Stimulanzien) während hormoneller Schwankungen, eine Behandlung mit naturidentischen Hormonen sowie eine nährstoffoptimierte Ernährung umfassen.
Zusammenfassung
Die Interaktion zwischen AD(H)S und Hormonen ist komplex und erfordert ein tieferes Verständnis, um Frauen mit dieser Störung angemessen zu unterstützen. Durch eine Sensibilisierung für diese Zusammenhänge kann man Frauen dabei helfen, ein erfülltes und erfolgreiches Leben zu führen, unabhängig von den Herausforderungen, die AD(H)S mit sich bringen kann. Bei Frauen sind die Zusammenhänge, Wechselwirkungen und Herausforderungen aufgrund ihres Hormonhaushaltes noch größer. Daher habe ich mich umfassend auf diesem Gebiet fort- und weitergebildet und mich auf diesen besonderen Bereich spezialisiert. Ich verstehe die einzigartigen Herausforderungen, denen Sie gegenüberstehen.
Gerne möchte ich Ihnen helfen, Wege zu finden, um Ihre Symptome besser zu bewältigen und Ihre Lebensqualität zu verbessern und dabei ihre ganz individuellen Stärken, die Sie haben, hervorzuheben.