AD(H)S bei Frauen im Fokus

Warum bedürfen Mädchen und Frauen besonderer Aufmerksamkeit beim Thema AD(H)S?

Unauffälligkeit und Diagnoseproblematik:

  • Mädchen mit AD(H)S fallen oft nicht ausreichend störend auf, um diagnostiziert zu werden.
  • Jungen zeigen meistens den hyperaktiven Typ, d.h., sie fallen eher durch das klassische „Zappelphilipp-Syndrom“
  • Das Diagnoseverhältnis im Kindes- und Jugendalter beträgt daher Jungen zu Mädchen 4:1.

 Typischer AD(H)S-Typ bei Mädchen:

  • Mädchen sind meistens vom unaufmerksamen, verträumten Typ.
  • Sie wirken meist sozial angepasst und schaffen es oft mit größter Anstrengung zu guten Noten und Leistungen.
  • Dieses Verhalten führt dazu, dass sie weniger auffallen und nicht so schnell diagnostiziert werden. (“Jungen explodieren, Mädchen implodieren“)

Unterschiede bei Jungen und Männern:

  • Jungs und Männer zeigen eher externalisierende Symptome und „explodieren“, zeigen also hyperaktives, impulsives Verhalten.
  • Begleiterkrankungen wie Depressionen sind bei Männern auch verbreitet, aber oftmals auch Suchterkrankungen als eine Art der „Selbstmedikation der inneren Unruhe“

Schwierigkeiten bei der Diagnose im Erwachsenenalter:

  • Mit zunehmendem Alter entwickeln Mädchen typische Bewältigungs-, Vermeidungs- und Kompensationsstrategien, sogenannte Maskierungstendenzen.
  • Bei 70 % der Betroffenen im Erwachsenenalter wird die Diagnose durch überlagernde Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) erschwert.
  • Mädchen und Frauen zeigen eher internalisierende Symptome, d.h., sie machen ihre Schwierigkeiten mit sich selbst aus und geben sich selbst die Schuld.

Erstdiagnose bei Frauen:

  • Das häufigste Alter bei der Erstdiagnose von AD(H)S bei Frauen, wenn es nicht in der Kindheit diagnostiziert wurde, liegt zwischen 36 und 40 Jahren.

 Hormonelle Einflüsse bei Mädchen und Frauen:

  • Oftmals kommt es zu einer deutlichen Verschlechterung der AD(H)S-Symptome aufgrund von „Hormonchaos“ und Östrogenabfall in der Pubertät, nach der Schwangerschaft und in den Wechseljahren.

Differentialdiagnose bei Frauen mit AD(H)S

Bei der Diagnose von AD(H)S bei Frauen ist es wichtig, auch andere mögliche Störungen in Betracht zu ziehen, die ähnliche Symptome aufweisen können. Nicht selten gibt es auch eine Kombination aus mehreren Störungen.

Dazu gehören:

  • Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
  • Bipolare Störung
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung

In der ADHS-Diagnostik sollte ein besonderes Augenmerk auf diese drei Erkrankungen gelegt werden, da viele Symptome ähnlich imponieren können. AD(H)S hat seinen Ursprung immer in der Kindheit, ebenso wie die Autismus-Spektrum-Störung. Studien zeigen, dass AD(H)S und ASS bei bis zu 50% der Betroffenen gemeinsam auftreten.

Bei den anderen Erkrankungen wie bipolaren Störungen und Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen sich die Symptome oft erst ab der Pubertät. Eine genaue Diagnostik ist hier entscheidend, da sich die Behandlungsansätze deutlich unterscheiden.

Sollte sich der Verdacht auf einer der genannten Störungen ergeben, kann ich vorerst ein entsprechendes Screening vornehmen und die Planung des weiteren Diagnostikprozesses ausführlich mit ihnen besprechen.

Herausforderungen von AuDHS (Kombination AD(H)S und ASS)

Insbesondere die Diagnostik der Autismus-Spektrum-Störung ist sehr komplex, die ebenfalls Fremdanamnese, Fragebögen, Checklisten, eine detaillierte Anamnese zur kindlichen Entwicklung, des Verhaltens, der sozialen Interaktion, Kommunikations-und  Spielverhalten sowieso Abfragen von sensorische Empfindlichkeiten beinhaltet. Gerade die Kombination von AD(H)S und Autismus-Spektrum-Störung (ASS), auch genannt AuDHS, ist oftmals sehr herausfordernd im diagnostischen Prozess. Fremdanamnestische Angaben von Eltern, Partnerinnen/Partnern oder engen Bezugspersonen sind hier unerlässlich.

Gerne begleite ich Sie hierbei, um besser mit ihrer Störung umzugehen und ein erfülltes Leben mit allen möglichen Herausforderungen, aber auch ihren besonderen Stärken,  zu führen.

Gruppentherapie für Frauen mit AD(H)S

Die Gruppentherapie für Frauen mit AD(H)S bietet eine wertvolle Ergänzung zur individuellen Therapie und medikamentösen Behandlung. Hierbei profitieren die Teilnehmerinnen von einem unterstützenden Umfeld, in dem sie sich austauschen und gemeinsam Strategien zur Bewältigung ihrer Symptome entwickeln können.

Vorteile der Gruppentherapie

Gemeinschaft und Verständnis

Frauen mit AD(H)S können sich in einer Gruppe mit anderen Frauen austauschen, die ähnliche Erfahrungen machen. Dies kann ein Gefühl der Gemeinschaft und des Verständnisses schaffen, da sie sich gegenseitig unterstützen und sich weniger allein fühlen.

Information und Aufklärung

In einer Gruppe erhalten Frauen Informationen über AD(H)S, einschließlich der Symptome, Auswirkungen auf den Alltag und Bewältigungsstrategien. Dies kann dazu beitragen, dass sie ein besseres Verständnis für ihre Störung entwickeln und geeignete Maßnahmen ergreifen können.

Entwicklung von Bewältigungsstrategien

Durch den Austausch von Erfahrungen und Ratschlägen können Frauen mit AD(H)S in einer Gruppe verschiedene Bewältigungsstrategien kennenlernen und erproben. Dies kann dazu beitragen, dass sie effektivere Strategien entwickeln, um mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen. Teilnehmerinnen profitieren von den unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen der Gruppenmitglieder, was zu neuen Einsichten und Lösungsansätzen führen kann.

Selbstwertgefühl und Selbstakzeptanz

In einer unterstützenden Umgebung können Frauen mit AD(H)S lernen, sich selbst anzunehmen und mit ihren individuellen Stärken und Schwächen umzugehen. Dies kann ihr Selbstwertgefühl stärken und ihnen helfen, ein positives Selbstbild zu entwickeln. Teilnehmerinnen erhalten Unterstützung und Ermutigung von anderen, was ebenfalls das Selbstwertgefühl stärken kann. Gruppen ermöglichen es den Mitgliedern, gemeinsam Erfolge zu feiern, was zusätzlich motivierend wirkt.

Struktur und Organisation

Gruppenpsychotherapie kann Frauen mit AD(H)S dabei helfen, ihre Fähigkeiten zur Strukturierung und Organisation zu verbessern. Die regelmäßigen Sitzungen der Gruppentherapie bieten Struktur und Routine, was für Betroffene mit AD(H)S oftmals sehr hilfreich ist.

Verantwortlichkeit

Gruppenmitglieder können sich gegenseitig zur Verantwortung ziehen und motivieren, an ihren Zielen zu arbeiten. Durch die Entwicklung von Zeitmanagement-Techniken können sie lernen, effizienter zu arbeiten und ihre Zeit besser zu nutzen.

Soziale Fähigkeiten

Frauen mit AD(H)S können in einer Gruppe die Möglichkeit haben, ihre sozialen Fähigkeiten zu verbessern, einschließlich der Kommunikation, des Zuhörens und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Dies kann ihnen helfen, bessere Beziehungen aufzubauen und ihre sozialen Interaktionen zu verbessern.

Unterstützung bei der Bewältigung von Komorbiditäten

Viele Frauen mit AD(H)S haben auch mit anderen psychischen Gesundheitsproblemen zu kämpfen, wie z. B. Angststörungen oder Depressionen. In einer Gruppe können sie Unterstützung bei der Bewältigung dieser Komorbiditäten erhalten und von den Erfahrungen anderer profitieren, die ähnliche Probleme haben.

Förderung von Empathie und Verständnis

Das Teilen von Erfahrungen und das Zuhören kann das Einfühlungsvermögen und das Verständnis für andere fördern. Die Gruppe kann ein langfristiges Unterstützungsnetzwerk bilden, das über die formellen Therapiesitzungen hinausgeht.

Medikamentöse Aufklärung

In der Gruppe können die Wirkungen und Nebenwirkungen von AD(H)S-Medikamenten ausführlich besprochen werden. Dies fördert ein besseres Verständnis der medikamentösen Behandlung und hilft den Frauen, informierte Entscheidungen über ihre Therapie zu treffen.

Hormonelle Schwankungen

Die Gruppe kann Themen wie PMS, hormonelle Veränderungen nach der Schwangerschaft und in den Wechseljahren besprechen, die die AD(H)S-Symptome beeinflussen können.

Kindererziehung

Frauen mit AD(H)S, die Mütter sind, können Unterstützung und Strategien für die Kindererziehung erhalten und sich über die Herausforderungen austauschen.

Paarbeziehung

Die Auswirkungen von AD(H)S auf die Paarbeziehung können thematisiert und Wege zur Verbesserung der Kommunikation und des Verständnisses in der Partnerschaft entwickelt werden.

Nach der Schwangerschaft

Frauen können über die spezifischen Herausforderungen nach der Geburt sprechen, einschließlich der Anpassung an die neue Rolle und der Bewältigung von AD(H)S-Symptomen während dieser Zeit.

Wechseljahre

Die Gruppe kann sich mit den Auswirkungen der Wechseljahre auf AD(H)S-Symptome auseinandersetzen und Strategien zur Bewältigung dieser Phase entwickeln.

Ausbildung, Studium oder Beruf

Die Gruppe kann Unterstützung und Strategien bieten, um die Herausforderungen im Bildungs- und Berufsleben zu bewältigen. Dazu gehören das Management von Zeit und Aufgaben, die Verbesserung der Konzentration und die Entwicklung von Strategien zur Stressbewältigung und Motivation.

Fazit

Die Gruppentherapie für Frauen mit AD(H)S bietet eine wertvolle Ergänzung zur medikamentösen Behandlung und individuellen Therapie. Sie fördert Gemeinschaft, Austausch, Aufklärung und die Entwicklung sozialer und emotionaler Fähigkeiten. Durch die Besprechung medikamentöser Wirkungen und Nebenwirkungen können die Teilnehmerinnen ein besseres Verständnis für ihre Behandlung entwickeln und informierte Entscheidungen treffen. Die spezifische Auseinandersetzung mit hormonellen Schwankungen, Kindererziehung, Paarbeziehungen, den Wechseljahren und den Herausforderungen in Ausbildung, Studium oder Beruf trägt dazu bei, das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Teilnehmerinnen umfassend zu verbessern.

Ausführliche Hinweise zu Ablauf und Kosten bei „AD(HS-Diagnostik für Frauen ab 18 Jahren“ oder „medikamentöser Ersteinstellung bei gesicherter AD(H)S-Diagnose“ können Sie im Buchungsprozess über Doctolib einsehen.

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AD(H)S und Hormone

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